Chefket – Nachtmensch (Review)

chefket-nachtmensch-cover

Am 14.08.2015 veröffentlicht Chefket das neue Album „Nachtmensch“ – insgesamt 12 Songs bekommen wir zu hören. Die Platte, zu der es auch eine Tour geben wird, erscheint über Vertigo Berlin (Universal Music). Und schon jetzt möchte ich mich im Rahmen einer kleinen Review mit dem Album beschäftigten.

Schon in der Pressemeldung beschäftigt man sich damit, warum Chefket noch kein Star ist. Er spielte in großen Hallen, war Support von Marteria oder Jan Delay und zeigte sich zudem auf vielen Festivals. Das hat er nicht geschafft, weil er zur richtigen Zeit, am richtigen Ort war, sondern weil er mit seiner Musik überzeugte. Sowohl bei der EP „Identitäter“ als auch beim Mixtape „Guter Tag“. Chefket gehört zu den Musikern, die ich in den letzten Monaten und Jahren besonders gefeiert habe.

Schon mit der ersten Auskopplung „Rap & Soul“ legte er die Messlatte für andere Rapper sowie das Album selbst sehr hoch. Fragen wie „kann das gesamte Werk dieses Niveau halten?“ oder „was kommt danach?“ schwirrten mir im Kopf herum. Den ersten Hördurchgang nehme ich mir gerne auf der Arbeit vor. Ein Album nebenbei hören – so der Versuch. Überzeugende Alben reißen mich gerne aus der Konzentrationsphase und ich erwische mich dabei, dass ich mehr der Musik lausche. Entweder sind die Songs so wild und verstörend, dass sich mich aus weniger erfreulichen Gründen ablenken oder sie sind eben stark und fesseln mich.

Chefket hat den großen Vorteil, dass er mit seiner Stimme den Hörer packt. Şevket Dirican, so heißt Chefket bürgerlich, erkennt man voraussichtlich aus vielen 1000 Stimmen. In Kombination mit den melodischen Klängen hört man ihm zu. Doch könnte man nur damit überzeugen, wäre das enttäuschend. Chefket schafft es dagegen mit Text, Stimme und Beat im Kopf Bilder entstehen zu lassen. Hinzu kommt, dass er nicht wie jeder 0815 Rapper Standard über das Instrumental brettert. Er gibt jedem Song etwas Eigenes mit, mal zeigt er all seine technische Raffinesse und mal ist er wesentlich melodischer oder einfach mal was ruhiger, wie auf „Kater“. Hier wechseln die ruhe Stimmung und extrem starke Flowpassagen.

Rein thematisch beschäftigt er sich auf „Nachtmensch“, welch Überraschung, mit der Nacht. Hinzu kommen Partys, die meist auch nachts stattfinden, die Vernichtung der Welt, Alltagseinblicke und die Liebe. Kurioserweise sagt er über die Nacht, dass die Stadt da so schön und ruhig ist und, dass man sich dabei von der Hektik des Tages erholen kann. Höre ich das neue Chefket Album geht es mir ähnlich. Ich kann mich erholen, höre dennoch aufmerksam zu und bin immer wieder positiv angetan, von dem, was er hier leistet. Es ist schwer zu beschreiben. Alles wirkt so aus einem Guss, es ist melodisch, aber dennoch nicht krass in Richtung Popmusik. Gleichzeitig rappt er unfassbar stark. Es ist so vielseitig und dennoch passt alles so gut zusammen.

Bleibt zu hoffen, dass Chefket damit den verdienten Erfolg hat. Fakt ist aber, dass es nicht die leichte Kost ist, die man so beim Autofahren laufen lässt und gar nicht recht merkt, was da auf den Boxen trällert. Dafür ist das zu anspruchsvoll und packend. Für den krassen Hit über die Grenzen hinaus braucht man leider, auch wenn es traurig ist, weniger. Ich für meinen Teil würde sagen: lieber so und man kann voll hinter der Musik stehen.

4,5/5 Punkten

Schreib einen Kommentar