MoTrip – Mama (Review)

MoTrip-Mama-Cover

Es gibt wahrscheinlich kaum ein Album, auf das die Rap-Szene länger gewartet halt, als dieses. Die Rede ist von „Mama“ des Aacheners MoTrip. Am 19. Juni 2015 erschien das gute Stück über Urban (Universal Music). Mit dabei Sido, Haftbefehl, Lary, Elmo, Azad, Manuellsen und Samy Deluxe.

„Weil für mich dieser Profit nicht über allem steht…“ heißt es zu Beginn („David gegen Goliath“). Blickt man auf das Album sowie die gesamte Promophase, kann man diese Aussage unterstreichen. Vermeintliche Hits wie „So wie du bist“ wurden nicht vorweg ausgekoppelt und an die Radiostationen verteilt. Auch das Spiel des Medienhypes aus der Nicht-Rap-Presse hat man nicht gespielt. So blieb MoTrip das, was er ist: einer der besten Rapper in Deutschland. Genau das beweist er mit dem Album „Mama“. Betrachtet man seine Leistung isoliert, überzeugt die Platte auf ganzer Linie. Starke Lyrics, großartiger Stil sowie Beat0,s die die Stärken des Künstlers unterstreichen. MoTrip selbst hat die Erwartungen absolut erfüllt. Er hat es geschaffen – ein großes Stück Rap-Musik. Er hat sich im Vergleich zu Embryo gesteigert. Eine gute Leistung, wenn man betrachtet, dass sein erstes Werk nach vielen Jahren durch viele Boxen schallt, und das ohne jeglichen Skip-Kandidaten. Während „Mama“ durch die typischen Trip-Reime überzeugt, wirkte sein letztes Album trotz der großen Klasse etwas hölzerner. Das neue Album wirkt dagegen durchdachter, allerdings ohne verkrampft zu wirken. Neben den bereits erwähnten starken Texten, punktet MoTrip vor allem mit seiner Aura sowie der angenehmen Stimme. Er schafft es damit, den Hörer in einen Bann zu ziehen und Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Rein inhaltlich geht es um zum Beispiel Rap und sein / das Leben. Das unterstreichen unter anderem das Intro („David gegen Goliath“), „Wie ein Dealer“ oder der Titelsong „Mama“ und „So wie du bist“. Dabei schafft er die Thematik, die sicher viele Rap-Fans ansprechen dürften, in ein neueres Gewand zu packen. „Wie ein Dealer“ ist dabei das perfekte Beispiel. Hier geht es nicht um das ursprüngliche Dealen von Drogen, sondern um das Dealen mit seiner Musik. Diese Message transportiert man schön in ein Video. Insgesamt ist all das sehr stimmig, aber…

Ja, ein „aber“ gibt es bei „Mama“ von MoTrip. Dieses bezieht sich weniger auf ihn selbst. Vielmehr geht es um die Features, die etwas Hörgenuss zerstören. Klingt hart, ist aber so. Der wohl wichtigste Song wird dadurch nach der Hälfte zum Skip-Kandidaten, einen weiteren Track hört man nur, weil man sich noch auf MoTrip freut. So hat Samy Deluxe nicht auf seinem Zenit gerappt. Viel schlimmer wird es allerdings beim Titelsong. Ein wichtiger Track, vielleicht der Wichtigste. Nun ist Haftbefehl unhörbar – zumindest in meinen Augen. Absolut nicht passend, sowohl zum Album-Sound als auch zu MoTrip. Nach 1-2 Mal hören wird der Gastbeitrag geskippt. Sido liefert leider ebenfalls nicht sein Bestmögliches ab, hier kann man sich allerdings den vollständigen Song anhören. Er stört nicht, es ist keine Katastrophe, geht aber neben Trip unter. Azad und Manuellsen zeigen sich solide, nicht mehr, nicht weniger – ähnlich wie Elmo. Einziger Lichtblick ist Lary, die „So wie du bist“ zusammen mit MoTrip zu einem Hit macht. Sie wertet den Track auf, macht ihn besonders und ist ein besonderes Element. Alles in allem stellt sich dennoch die Frage, wie es zu dieser Featureauswahl kam. Schade.

4/5 Punkten

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